Innovation, Redaktionsarbeit
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Hallo, Barcamp.

bchh14_2_1200x800Das Barcamp in Hamburg am 7. und 8. November 2014 war mein erstes und ich wusste nicht, was mich erwarten würde – außer vieler kluger und netter Menschen. 

Das Erste, was mir ins Auge stach: lila T-Shirts. Die Farbe wäre verschmerzbar gewesen, anders als die Größen. Damen-S hätte höchstens einem Kleinkind gepasst. Oder meinem adipösen Kater. Nach dem opulenten Frühstück stellten viele Menschen ihre Session-Ideen vor – so läuft das nämlich auf einem Barcamp, die Teilnehmer organisieren das Programm selbst – wenig später verteilten sich alle auf die verschiedenen Räume. Und los ging’s.

Ich wollte mir Folgendes anhören:

  • Speed Up Europe Accelerator um 11 Uhr
  • Carolin Neumann: Tschüs, Verlage! um 12 Uhr
  • Konzepte für Software und Websites um 13 Uhr
  • David Aguirre: Grenzen überwinden um 14 Uhr
  • Instagram fürs Unternehmen um 15 Uhr
  • Krisenvorbereitung um 16 Uhr
  • Google Apps for Work um 17 Uhr

(Nicht bei allen Sessions bin ich bis zum Ende geblieben oder habe mir Notizen gemacht.)

Hier meine wichtigsten Erkenntnisse:

Tschüs, Verlage! Wir machen das mit dem Journalismus ohne euch.

Was hindert Verlage:

  • Innovationsstau. Probleme dabei sind oft Angst und/ oder Zahlen im Kopf. Ausprobieren ohne Businessplan kommt fast gar nicht vor.
  • Vorbilder fehlen, junge Journalisten wollen noch immer auf die Seite 3 der SZ aber „bloß nicht Online“.
  • Starre Strukturen verhindern agile Entwicklung und schnelle Anpassung.

Lösung?

    • Es ohne Verlage versuchen. Man sollte spielen mit dem, was man handwerklich kann, seine Nische(n) finden. In einer Nische kann man sehr gut in die Tiefe gehen.
    • Auch wichtig: Mehrfachverwertung, Mischformen ausdenken. Aus einem größeren Projekt eine Kolumne oder eine Rubrik an anderer Stelle entstehen lassen.
    • Und sich immer fragen: Wie kommt man an Leser?

Beispiel-Projekte von Carolin Neumann:

Konzepte für Software und Websites

  • Nicht zu lang und zu ausführlich, das liest keiner
  • Man braucht ein Konzept und eine Strategie, wenn man gemeinsame Ziele umsetzen will
  • Auf dem Weg muss man laufend Entscheidungen treffen; das kann man nicht immer mit allen Stakeholdern gemeinsam. Ein Konzept hilft folglich bei der Entscheidungsfindung

Wichtige Fragen:

  • In welchem Zeitraum wird das Konzept benutzt, bis wann ist es gültig?
  • Wie sind die Gegebenheiten? (Annahmen, Bedingungen, Beschränkungen – Arbeitsstunden, Zeitfenster)?
  • Welche Widersprüche (Zeit – Budget – Qualität) gibt es, wie und in welcher Reihenfolge sollen sie aufgelöst werden?
  • Welche Fragen werden beantwortet? Welche Fragen werden NICHT beantwortet und müssen noch geklärt werden? Wann und von wem?
  • An wen richtet sich das Konzept? Wie sind die Stakeholder zueinander priorisiert? Wer hat welche Verantwortung, welches berechtigte Interesse?
  • Und welche Erwartungen haben sie? Was bedeutet Erfolg für sie und wie ist Erfolg im Konzept definiert?
  • Alle Parteien sollten das Konzept unterschreiben, das hat eine psychologische Verbindlichkeitskomponente

Probleme bei Konzepten:

  • Ein Konzept ist immer komplex
  • Es braucht Zeit und Geld, damit es Substanz hat
  • Entscheidungsschwäche bei Stakeholdern kann aufhalten. Wer nicht entscheidet, entscheidet auch – und zwar gegen das Timing.
  • Einfach anfangen und dann im Prozess weitersehen ist NICHT einfacher, als mit einem durchdachten Konzept zu starten.

Von Hamburg nach Barcelona

Besonders berührt hat mich der sehr persönliche Vortrag von David Aguirre über seine Radtour. Hier ein paar Zitate:

  • „Ich kann alles erreichen, was ich will, wenn ich nur den Arsch hochkriege – das ist ein großartiges Gefühl. Das macht sehr viel mit einem.“
  • „Alleine sein hilft beim Nachdenken und sich darüber klar werden, was man will.“
  • „Wie geil ist das? Die Leute haben gesagt: ‚Du packst das sowieso nicht.‘ Aber ich habe es mir vorgenommen und durchgezogen. Alles durch eigene Kraft.“
  • „Was man alles schaffen kann … Die Euphorie war noch wochenlang zu spüren.“
  • „Ich wusste am Anfang nicht, wo es mich hinführt. Aber es war der beste Schritt zu sagen: ‚Ich riskiere das, ohne zu wissen, was kommt.‘ Man kann kleine Schritte wagen.“
  • Und mein Lieblingszitat: „Ich hör‘ jetzt einfach auf mein Herz.“ Genau. So.

Nach dem Abendessen um 18 Uhr begann der spaßige Teil: Powerpoint-Karaoke (ich lachte hysterisch Tränen über Wirbelströmungen) und Herzblatt (mit meiner Backkartoffel konnte ich Grillfan Kai nicht für mich begeistern).

Mein Fazit zum #bchh14:

Leider konnte ich den zweiten Tag nicht mehr mitnehmen. Aber auch am ersten gab es spannende und sehr vielfältige Sessions, neue und nützliche Erkenntnisse, sehr nette Menschen aus diesem Internet, eine fantastische Organisation, Lachbauchschmerzen und unfassbar gutes Essen – Zitat des Tages: „O Gott. So viel habe ich das letzte Mal auf einer Hochzeit verdrückt!“

Dann mal bis nächstes Jahr. Ich bringe auch Tupperdosen mit.

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  1. Pingback: Barcamp Hamburg 2014: mein Twitter-Rückblick (#bchh14) | www.Sozialgeschnatter.de

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