Kleinkram
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Alleinreisend.

Tablemountain

„Hast du gar keine Angst, alleine zu verreisen? Das ist doch sicher gefährlich!“ So klangen Menschen vor, während und auch noch lange nach meiner Weltreise. Immer wieder. Als wäre es das Irrsinnigste überhaupt, allein zu verreisen. Und auch noch als Frau!

„Ja, das ist sogar ziemlich sicher gefährlich. Aber das ganze Leben ist gefährlich und endet oft sogar mit dem Tod!“, lautet meine Standardantwort.

Aber jetzt mal ernsthaft. Mein Sicherheitsplan fußt auf vier Säulen:

  • Information
  • gesunder Menschenverstand
  • Bauchgefühl
  • Glück

Bevor ich einen Ort bereise, lese ich. Das Auswärtige Amt hat aktuelle Sicherheitsinformationen, die einen guten Überblick darüber geben, was man tun und lieber lassen sollte. Vor Ort frage ich zusätzlich auch die Leute, die dort leben, nach ihrer persönlichen Einschätzung.

Außerdem benehme ich mich nicht wie ein Vollidiot. Also, meistens nicht. Ich renne nicht rotzevoll und schmuckbehängt wie ein Weihnachtsbaum mit einem iPhone wedelnd durch das Amüsierviertel Rios. Ich mäandere nicht nach Einbruch der Dunkelheit allein durch die Straßen Kapstadts. Die dem zugrunde liegenden Probleme und Ungerechtigkeiten kann und muss man auch diskutieren – allerdings an anderer Stelle.

Und wenn ich ein ungutes Gefühl habe, höre ich darauf. Uneingeschränkt. Einmal war ich mit einer Gruppe in Rio unterwegs und ging vorneweg. Wir kamen an eine Kreuzung, auf einmal wurde mir unerklärlicherweise flau im Bauch, die Härchen an meinen Armen richteten sich auf. Ich entschied mich für einen Umweg und kommunizierte das auch: „Leute, es klingt verrückt, aber bei dem Weg da vorn ist mir nicht wohl.“ Alles okay.

Letztlich hatte ich bisher auch schlicht jede Menge Glück, für das ich sehr, sehr dankbar bin. Oder wie es die amerikanische Autorin Kristin Newman, die u.a. schon allein nach Südamerika, Israel und Island gereist ist, in diesem Artikel formuliert:

„I feel so safe everywhere I go now because I trust my instincts and because I think being able to maneuver all those places is such a powerful thing to give yourself as a woman.“

„Und, ist das denn gar nicht langweilig so alleine?“, so lautet dann oft die zweite Frage.

Nein. Ich kann wunderbar mit mir allein sein, genieße es sehr. Pizza oder Sushi, bleiben oder weiter, Ausflug oder Strand – ich mag mich nicht absprechen, ich will spontan entscheiden können. Ich möchte neue Freundschaften schließen oder mich einigeln, wie es mir beliebt. Andere Menschen – Mitreisende – würden meine Freiheit und mein Erleben einschränken. Ich kann mir ehrlichgesagt schwer vorstellen, je wieder in Begleitung zu reisen.

Und vielleicht ist DAS das Gefährliche am Alleinreisen.

15 Comments

  1. Ein sehr gelungener Artikel. Ich habe zwar noch nie eine Fernreise ganz allein gemacht, aber bin immer wieder gern allein in europäischen Großstädten unterwegs. Und auch ich genieße es dabei bewußt allein zu sein.
    Gerade beim Fotografieren nörgelt keiner, ob wir denn nicht endlich mal weiter könnten. Wenn es mir in einem Café besonders gut gefällt, bleib ich einfach mal länger sitzen und genieße es!

    Lediglich Abends fehlt mir manchmal jemand, mit dem man weggehen kann, wenn man gerade Lust dazu hat. Liegt aber auch sicherlich daran, dass ich bisher nie in Hostels übernachtet habe.

    • Beim Fotografieren geht es mir genauso. Die Erfahrung als solche ist einfach intensiver, weil man nicht so abgelenkt ist. Und ja, in Hostels zu übernachten, hilft ungemein beim Kontakte knüpfen.

  2. Liebe Jessica,

    da kann ich dir aus vollstem Herzen und mit gutem Bauchgefühl zustimmen.
    Meine Reisen habe ich bisher immer alleine gemacht und werde es auch weiterhin tun. Denn diese Art des Reisens – begleitet vom dem größten Freiheitsgefühl – ist für mich einfach die Schönste! In diesem Sinne weiter so🙂

    Sonnige Grüße,
    Belinda

  3. Sandra Lange says

    Es liest sich immer so einfach und doch hadere ich mit mir diesen Schritt mal zu wagen.
    Allerdings bin ich es auch Leid auf andere warten zu müssen, oder sich abzusprechen. Wahrscheinlich muss ich es einfach mal tun. Ich kann ja klein anfangen, mit einem Städtetrip… Im Ausland wohlgemerkt.

    • Ich habe auch klein angefangen und bin erst mal eine Woche allein nach Korfu, danach noch mal 10 Tage allein nach Gomera. Und dann wusste ich: Ich kann das.

  4. Betrachterauge says

    Alleine zu reisen hat seinen Anreiz, natürlich. Aber ab und zu ist es so schön, die Erlebnisse mit jemandem zu teilen!

      • Betrachterauge says

        Das kann natürlich auch vorkommen.🙂

    • Genau so sehe ich das auch. Man sollte sich halt vorher entscheiden, was man will – lehrreiche, fordernde Reise oder entspannenden Urlaub, Freiheit allein oder gemeinsame Erlebnisse.

      • Betrachterauge says

        „Schatz, wir gehen auf eine lehrreiche, fordernde Reise!“ Da musste ich grinsen. Wer sagt denn so etwas?

      • Das macht man natürlich lieber allein. Und zu zweit wegfliegen muss ja nicht immer mit dem SO sein.😉

  5. Ich reise seit Jahrzehnten üebrwiegend alleine. Die üblichen Fragen höre ich auch oft. Aber Freunde und Verwandte haben sich an meinen Reisestil gewöhnt. Und ehrlich: Ja, alleine reisen ist mutig! Mut bedeutet, adss man seine Angst überwindet. Und ja! Alleine reisen macht zunächst Angst, schlimme Angst! Wenn ich da an meine erste China-Reise 1987 denke, alleine, als Frau, mit dem Rucksack: Ich habe fürchterliche Angst gehabt. Aber ich bin trotzdem gereist. Ich stehe dazu: Ich habe Angst (jetzt nicht mehr so sehr) vor dem Alleine reisen, und ich bin mutig, weil mich diese Angst nicht von dem Reisen abhält.
    Natürlich kann es gefährlich sein, in fremden Ländern und Städten unterwegs zu sein. Aber man kann sich das Risiko minimieren. Ich habe viel darüber auf meinem Blog geschrieben.

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