Innovation, Redaktionsarbeit
Comments 2

Klassentreffen.

Re:publica, Symbolfoto.

Re:publica, Symbolfoto.

Klassentreffen? Nun ja, vielleicht das einer Business-School. Obwohl mir die re:publica auch in diesem Jahr insgesamt gefallen hat, finde ich die Konferenz inzwischen zu geschäftsorientiert. Anders gesagt: Mir fehlten Albernheiten. Aber Eindrücke sind ja immer subjektiv und ich habe viel Spannendes gehört.

Hier sind meine fünf Highlights der #rp15:

1. Immersive Journalism: Using virtual reality for news and nonfiction / James Pallett

Worum ging’s? Die Nutzung der Möglichkeiten virtueller Realität um Nachrichten so zu erzählen, dass Menschen sich in der entsprechenden Situation wiederfinden. So wird durch das Erleben eine starke Emotionalisierung ein unmittelbares Bewusstsein für Probleme und Missstände geschaffen. Ziele: Reporting, Dokumentation, Investigation, Information und Bildung.

Warum war’s gut? Weil es mir tatsächlich richtig nah ging. Besonders das Projekt „Use of Force“, in dem der Totschlag des Einwanderers Anastasio Hernandez Rojas durch US-Grenzer nachgestellt wird, hat mich emotional mitgenommen. Virtuelle Realität ist ein unglaublich starkes Instrument. Der ganze Vortrag im Video:

Was nehme ich mit? Obwohl Teilnehmer nicht vor Ort waren, reagierten sie bei jedem „Immersive Journalism“-Projekt so, als wären sie dort gewesen. Ich frage mich: Wie und wo kann und darf man dieses starke Mittel der Realitäts-Rekonstruktion im alltäglichen Journalismus sinnvoll einsetzen?

2. Strategie & Taktik in Journalismus und Bürgermedien / Lorenz Lorenz-Meyer

Worum ging’s? Vorwiegend um die Zukunft des politischen Journalismus. Bisher verwendet man im Journalismus den Begriff „Strategie“ nur für Geschäftsmodelle – nicht aber für Inhalte. Welche gesellschaftliche Verantwortung haben insbesondere Online-Medien, nicht nur Content zu publizieren, der sich von selbst verteilt? Relevanz ist nicht immer interessant. Wenn einem Medium ein Thema wichtig ist, dann kann strategische Contentplanung helfen.

Warum war’s gut? Für mich war’s ein kleiner Eye-Opener, wie man als Redaktion für sich eigene, relevante – auch sperrige – Inhalte identifizieren, unter Berücksichtigung ihrer Lebenswelt bei den Lesern einführen und dann z.B. mit Techniken aus der PR (Issue Management, Media Monitoring etc.) dranbleiben kann. Der ganze Vortrag im Video:

Was nehme ich mit? Ich werde mir auch bei meinen Themen künftig mehr Gedanken über nachhaltige Entwicklung und Planung machen.

3. Demystifying the Algorithm – who designs your life? / Hans de Zwart

Worum ging’s? Um die Distanz zwischen denen, die Algorithmen und Software entwickeln und denen, die sie anwenden. Algorithmen sind überall und beeinflussen immer mehr Teile unseres Lebens. Dabei wird die mangelnde Diversität im Software- und Techbusiness zum Problem. Junge, lebensunerfahrene, männliche Weiße können gar nicht über ausreichendes Vorstellungsvermögen verfügen, um Probleme einer hochkomplexen Welt zu lösen.

Warum war’s gut? Mir waren die Auswirkungen der mangelnden Diversität auf mein eigenes Leben nicht bewusst.

Was nehme ich mit? Holt viel, viel mehr viel unterschiedlichere Menschen dahin, wo technische Lösungen für menschliche Probleme gesucht und gefunden werden. Schnell!

4. Producing Knowledge in Collaboration / Barbara Rühling & Zara Rahman

Worum ging’s? Techniken umfassenden kollaborativen Arbeitens am Beispiel von Data Expeditions oder so genannten Book Sprints. Dabei schließen sich die Teilnehmer – eine Gruppe von idealerweise 10 bis 15 Leuten – etwa fünf Tage ein und verfassen gemeinsam ein Buch zu einem komplexen Thema.

Warum war’s gut?  Ich bin seit jeher ein großer Fan kollaborativen Arbeitens und habe hier kluge und praktische Tipps zur Gestaltung und Organisation mitnehmen können. Zum Beispiel, dass Schuhe ausziehen äußerst hilfreich dabei sein kann, Hierarchien aufzulockern und dass man sich dafür am Besten wirklich in eine Waldhütte zurückzieht.

Was nehme ich mit? Kollaboratives Arbeiten ist zwar anstrengend, aber sehr lohnend und produktiv. Für mich der beste Vortrag; ich werde noch einen gesonderten Text dazu posten.

5. Vom Silversurfer zum Silvernerd – und wie man Familie 2.0 ans Laufen kriegt / Ilse und Carline Mohr

Worum ging’s? Was passiert, wenn Mama das Internet nicht nur zum Rezepte googlen benutzt, sondern plötzlich anfängt zu bloggen und zu twittern? Ilse und Carline Mohr haben Muttis Weg ins Netz und den Online-Part ihrer Mutter-Tochter-Beziehung sehr bildreich dargestellt. (Merke: Wer die Kinderfotos hat, hat die Macht.)

Warum war’s gut? Es war mit Abstand der unterhaltsamste, authentischste Vortrag. Ich habe zwischendurch gequiekt vor Lachen. Und auch ein paar Einblicke gewinnen können. Davon hätte ich gern mehr auf der re:publica.

Was nehme ich mit? Vielleicht kaufe ich meiner Oma ein iPad.

Mein Fazit zur #rp15:

Das Essen war zu teuer und echt nicht gut, David Hasselhoff hat gefehlt, es war viel zu voll und sehr business-mäßig und trotzdem schön und produktiv. Es waren nämlich echt nette, kluge, tolle Menschen da. Ganz anders als auf echten Klassentreffen…

2 Comments

  1. Super! Ich hatte einen gruseligen Klassentreffen-Bericht erwartet, aber das hier war ja ein Bericht über ein klasse Treffen.🙂 Glaube gern, dass Du viel Spaß hattest.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s