Kleinkram
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Dieses Video erinnert mich an das, was Opi nicht mehr ist

Adidas

Es ist nur ein Video, aber es hat mich grad sehr berührt und jetzt brauche ich plötzlich sehr viele Taschentücher. Ein ehemaliger Sportler lebt als alter Mann in einem Pflegeheim, ist depressiv. Er vermisst das, was er am Besten konnte und was ihn ausgemacht hat: laufen. Als er alte Sneakers sieht, beschließt er, auszubrechen. Doch das ist nicht so einfach:

Dieses emotionale Video hat der deutsche Filmstudent Eugen Merher gedreht und ihn Adidas angeboten. „Sie haben nicht reagiert“, sagt er laut Huffpo. Ungünstigerweise wird in dem Clip der Eindruck erweckt, Pflegeheime wären ausschließlich ungute Orte, an denen Menschen gegen ihren Willen festgehalten werden. Das ist unfair. Selbstverständlich gibt es dementiell erkrankte Menschen, die Einrichtungen tatsächlich nicht mehr verlassen können, das dient ihrer eigenen Sicherheit. Omi hingegen konnte kommen und gehen, wann sie wollte.

Aber darum geht es mir hier nicht. Es geht mir um die Essenz des Videos. Sie erinnert mich an Opi. An das pürierte Essen, das ihm nicht schmeckt. An die Einsamkeit nach Omas Tod. An die normierte Umgebung. An die Tatsache, dass er mit manchen Pfleger*innen gut kann, mit einigen aber auch nicht und das seine Stimmung und sein Wohlbefinden stark davon abhängen, wer Dienst und vor allem Geduld mit ihm hat. Es erinnert mich an all das, was Opi nicht mehr kann und nicht mehr ist. Er war mal ein geradliniger, attraktiver, pünktlicher, tougher Mann mit aufrechtem, federnden Gang, Jackett und Hut. Jetzt sehe ich, wie er manchmal sein Spiegelbild anschaut und das greise Bild, das er dort sieht, selbst nicht fassen kann.

Das tut weh, nicht nur ihm. Aber eines Tages wird wohl für uns alle der Moment kommen, in dem wir uns im Spiegel nicht mehr kennen.

Eins möchte ich an dieser Stelle zum Thema Pflegeheim und Sport unbedingt noch anmerken: Sportlich war Opa zeitlebens nicht – in der Einrichtung hat er jedoch im Rollstuhl Fußball gespielt. Allerdings ohne Turnschuhe.

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3 Comments

  1. Kirsten says

    Das ist ja immer das Problem, die Eineichtung kann vermutlich immer nur die Basics sicherstellen.
    Die Individualität geht dabei häufig unter. Aber dafür sind dann wir Angehörigen zuständig. Wir können die Verwandten oder Freunde abholen, damit sie nochmal ihr geliebtes Fischbrötchen bekommen oder sie noch einmal ins Riesenrad hiefen….
    Ich frag mich bloß, was wird mal aus uns kinderlosen Menschen. Fällt mir gerade nix zu ein. Aber das sehen wir wohl dann.

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