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Igreja de Santo Antonio

Die Stimme in meinem Kopf

Ob der Mann weiß, was er auslöst? Ich bin gerade in Rios Stadtzentrum aus der Kapelle eines alten Klosters ins Tageslicht zurückgetreten, ich muss blinzeln, es ist so hell. Auf den Stufen ist mir ein Mann entgegengekommen, rosa T-Shirt, Shorts, Handy am Ohr. Ein Teil von mir hat gemerkt, dass er mich eindringlich angesehen hat. Ein paar Sekunden lang. „Das kann nicht sein, das bildest du dir bestimmt ein“, hat die Stimme in meinem Kopf gesagt, wie sie es jedes Mal sagt, wenn mich ein Fremder lange und intensiv anstarrt. Ich höre sie kaum noch.

Ein perfekter Tag

Wenn ich in Rio de Janeiro bin, bin ich glücklich. Es ist das große Ganze und jedes Detail. Es ist das Flirren in der Luft genauso wie der angesprühte VW Bulli, die gleißende Sonne und die eiskalte Caipirinha. Es sind die Fremden am Strand und die guten Freunde. Auf Instagram habe ich unter dem Hashtag #oneperfectdayinrio Fotos eines beispielhaften meiner Tage dort gesammelt – vom aufstehen bis zum schlafengehen. Quasi die Essenz meiner jüngsten Reise dorthin. Jetzt auch hier im Blog. Kommt mit, lasst uns durch mein Rio spazieren. Ganz ohne Worte.

Selfiestick

Selfie-Service.

Ich hebe den Kopf und halte mir die Hand über die Augen. Womit wedelt der junge Mann da vorn herum? Angel? Spazierstock? Laserschwert? Die beiden Mädchen auf der Decke im Sand vor ihm kichern begeistern und holen Geldscheine aus ihrer Tasche. Anschließend folgt ein kleines Handgemenge mit Stange. Hätte ich mal meine Brille auf. Es dauert etwas, bis ich die Situation erfasse: Der Typ da vermietet ernsthaft einen Selfiestick am Strand. 

Rio Beach

Drohnenschirme.

Ich komme aus dem Wasser und ich kann fühlen, wie sie gucken. Schwungvoll lasse ich mich auf mein Badetuch fallen. Mein Bikini ist zu klein, meine Narben sind zu groß, mir egal. Die Sonne lässt die Wassertropfen auf meiner Haut verdampfen. Für einen Sonnenschirm bin ich heute mal wieder zu geizig. Irgendwo knattert ein Hubschrauber. Ein Eisverkäufer schmettert sein Angebot. Wellen donnern zischend an den Strand und waschen über das Stimmengewirr hinweg. Die Geräuschkulisse hier am Strand von Leblon umfängt mich wie ein Stück Heimat. Dann ist da plötzlich dieses Surren. 

Kakau.

Ich sitze an der Straße. „Draußen nur Kännchen“, muss ich denken – Twitter ist schuld. Davon hat der brasilianische Kellner in der langen Hose und dem grün bedruckten Poloshirt natürlich keine Ahnung. Wovon er jedoch sehr wohl Ahnung hat: Ich bin eine Gringa und er wird wahrscheinlich Englisch mit mir sprechen müssen.